Dienstag, 22. Mai 2007

Ein Bild und seine Geschichte - Una foto e la sua storia:



Jetzt seid ihr dran! Hab auf unserem Neapel-Trip vor zwei Wochen folgendes entdeckt: In einer Gasse steht ein Wäscheständer mit total verdreckter Wäsche. Wer hängt denn dreckige Wäsche zum Trocknen auf? Oder waren die Klamotten frisch gewaschen und wurden nur im Straßenstaub vergessen? Ist der Wäscheständerbesitzer womöglich schon vor Monaten verstorben? Was ist hier passiert!? Freu mich über kreative Vorschläge!

P.s.: Mehr Fotos von unsrer Reise gibts hier:
http://picasaweb.google.de/schlora/Neapel



Tocca a voi! Due settimane fa, durante il nostro viaggio a Napoli, ho visto qualcosa di veramente strano: In un vicolo ho trovato uno stendino e – sorpresa – tutti panni erano pieni di polvere. Chi li ha stesi? Oppure qualcuno ha dimenticato di ritirarli e perché li ha dimenticati? Ma soprattutto, forse questa persona non tornerà piu perché è gia morta tanto tempo fa? Chi sa!? Voglio ricevere i vostri fantasiosi commenti!

P.s.: Le foto del viaggio vi trovate qui: http://picasaweb.google.de/schlora/Neapel


"Pack die Kamera weg, die klauen sie dir nur!" - Ein Trip nach Neapel


29. April
Sitzen mit überwiegend pensionierten Touristen in der Metrò del Mare, einer Fähre, die ab Neapel die Küste gen Süden abfährt. Ziel: Amalfi, der Reiseführer zitiert zur Beschreibung der eigentlich unbeschreiblichen Schönheit Renato Fucini: "Der Tag des jüngsgten Gerichts wird für die Bewohner von Amalfi, die das Paradies erblicken werden, ein Tag wie jeder andere sein."

Je mehr Städtreisen ich mache, desto deutlicher merke ich, dass mir das Abklappern von Sehenswürdigkeiten immer weniger taugt. In jeder Kirche kann man Münzen einwerfen, die eine elektrische Kerze anzünden - Flackereffekt mit inbegriffen. Man läuft sich die Füße wund, weil man DAS ja auch noch gesehen haben muss. Was ich gestern so cool fand, war einfach nur durch die Gassen Neapels zu schlendern, das Alltagstreiben der Bewohner zu beobachten, den kickenden Jungs zwischen den Häuserschluchten den Ball zurück zu spielen, mit der Mamma und ihren beiden Töchtern, am Straßenrand einen Plausch halten, während sie auf einem Biertisch vor ihrem Laden eine kleine Straßenküche aufgebaut haben. Es gibt nur ein Gericht, das heute unter den weissen Sonnenschirmen zubereitet wird: Mit Ricotta, Speck und Tomatensoße gefüllte Pizza, ausgebacken in heißem Fett und unglaublich lecker. "Wir haben immer gedacht, Deutsche wären so kalt!", wundert sich die Mamma, "Aber ihr seit so herzlich!"
Auch das Frühstück heute morgen im Hotel war ein interessantes Erlebnis: Als wir kurz nach sieben in den Speiseraum kommen, ist so gut wie noch nichts vorbereitet. Der - nennen wir ihn Kellner - bestückt gerade das Buffet mit Scheiblettenkäse, klebrigwässigrigem Schinken, trockenem Toast und abgepackten Schockohörnchen: Das ist also das beschriebene "Internationales Frühstück". Nebenbei kuckt er im viel zu laut aufgedrehten Fernseher noch die Sportnachrichten, als ich ihn um einen Löffel bitte, ist er mit seinem Multitasking am Ende und winkt mich hinter den Tresen, wo ich mir den Löffel selbst aus der Schublade suchen darf. Der Latte Macchiato, den er uns bringt ist eindeutig ein Cappuccino, für einen Italiener ein folgenschweres Vegehen, das zu Verwechseln! Erst beim auschecken finden wir raus, warum wir den harten neapolitanischen Dialekt des Personals nie verstanden haben: Dass das Hotel wird von Russen betrieben.

Oh, wir sind da: Gerade legt die Fähre in Amalfi an: Buntgetünchte Häuser, ein schöner Dom und MASSEN an Touristen. Beim Aussteigen vergeht mir fast schon die Lust mich in die engen Gassen zu wagen. Terribile! Auch in Positano, unserem nächsten Ziel regierte der Tourismus. Alle (alle!) Läden, die es hier gab, waren ausschließlich aufs Souveniergeschäft aus. Sind also schnurstracks zum Strand vorgeprescht und haben dort in etwas entspannterer Atmosphäre die schöne Landschaft genossen.

Auf dem Heimweg im krass überfüllten Regionalbus ist dann mitten am gefährlichsten Eck der steien Küstenstrasse die Achse gebrochen und wir mussten die restlichen 2 Stunden nach Neapel heimtrampen.

Pompeij am nächsten Tag war unglaublich beeindruckend! Hätten wir da mal eine Exkursion mit Latein hingemacht, hätte ich mich bestimmt mehr für die römische Geschichte interessiert! Vor allem der "Garten der Flüchtenden" ist echt grausig: Hier sieht man die Abdrücke von Sterbenden, die vom Vesuv-Ausbruch überrascht wurden.

Entgegen aller Horrorgeschichten wurde keinem von uns was geklaut die drei Tage. Wie roh es aber normalerweise in Neapel zugehen muss, lässt sich aus dem Ruf des Entsetzens dreier verschiedener Einheimischer erkennen, die mir allesamt geraten haben: "Pack um himmelswillen die Kamera weg!", worauf ich leider nur antworten konnte, dass eine Kamera im Rucksack drin nicht ihrer eigentlichen Bestimmung entspricht :-)

Montag, 21. Mai 2007

Evento Nazionale di Erasmus a Capo Vaticano (Calabria)

18. Mai, früh morgens





Ein kräftiger Ruck. Die Bremsen quietschen, dann steht der Zug still. Zum dritten Mal in wenigen Stunden hat jemand die Notbremse gezogen. Einfach so zum Spaß, weil sie betrunken waren eben. Auch die Feuerlöscher haben sie aus reinem Übermut aus den Verankerungen gerissen und Klos und Gänge damit weiß gepudert.
Hand auf Schulter tanzen lange Polonäseschlangen von Wagon zu Wagon, begleitet vom „Alcol, alcol, alcol, alcol…nananananana…!“-Schlachtruf. Man zieht von einem 6er Abteil zum nächsten um sich freudig auf das größte Erasmus-Treffen, das ESN (Erasmus Student Network) bisher in Italien organisiert hat, einzustimmen: 1000 Studenten aus ganz Europa (vereinzelt auch ein paar Amis und Brasilianer) werden die nächsten drei Tage in Capo Vaticano, an der tyrrhenischen Küste Kalabriens verbringen.

Schon am Spätnachmittag war der Sonderzug in Mailand losgefahren, hat dann über Parma und Florenz in jeder größeren Stadt an der Strecke die Erasmusstudenten aufgesammelt. Nach Rom und Neapel im Morgengrauen drängen sich fast alle der 1000 Teilnehmer in den Alkohol geschwängerten Wagen.

Trink oder stirb heißt heute Nacht die Devise. Wer sich nicht schon beim stundenlangen Warten am Bahnhof - in freundlicher Nachbarschaft mit ein paar Pennern, die sich beeindruckt von der riesigen Bowleschüssel (=Einkaufswagen mit Müllsäcken ausgekleidet und randvoll mit Sangria)zu uns gesellt haben - auf einen gewissen Pegel eingetrunken hat, ist arm dran: Als ich nüchtern in den Zug steige, trifft mich fast der Schlag: So was hab ich noch nie gesehen! Eine unvorstellbare Orgie tobt in den alten Wagons mit 70er Jahre Interieur. Ausnahmslos zukünftige Akademiker zerlegen im Rausch den kompletten Zug, es wird rumgeschubst, auf die gläsernen Abteiltüren eingedroschen, jedem, der im Ansatz zu schlafen versucht, wird mit dem Megafon das Gehör aus dem Kopf geblasen. Jetzt wird mir klar, was die Spanier immer damit gemeint haben, wir deutschen könnten nicht richtig „feiern“.





Gegen Mittag haben wir die Tortour überstanden. Doch anstatt die krankenhausreife Bande direkt an den Strand zu entlassen, werden wir mit Reisebussen noch zu einer Konferenzhalle befördert, in der die Begrüßungsveranstaltung mit den Bürgermeistern der umliegenden Dörfer und Gemeinden stattfand. Schon nach wenigen Minuten hat’s da drin so unglaublich nach Alkohol, nach ungeputzten Zähnen, nach angekotzten Kleidern und ungewaschenen Jungs gedünstet, ein Wunder, dass das Podium nicht sofort geflüchtet ist. Während der Bürgermeister von Capo Vaticano noch mit verzerrtem Gesicht „Erasmus“ als „Futuro dell’Europa“ preist, stimmt die desinteressierte Masse wieder in den „Alcol, alcol, alcol...“ - Chor ein. Für viele ist das die traurige Essenz von Erasmus: Ein Semester Koma-Saufen.

Das Erasmus Student Network, deren selbst gewählte Aufgabe es eigentlich ist, sich um die fremden Studenten in ihrem Land zu kümmern, ihnen ihre Kultur näher zu bringen und bei Alltagsschwierigkeiten zu helfen, tragen mit Schuld an dem Feier-Anspruch, den einzigen, den viele an ihr Auslandssemester erheben: In jeder Mail, sei es die Einladung zum frühmorgendlichen Osterpicknick oder dem Kulturtrip nach Ostia Antica, wird in Fettschrift daran erinnert ja an den „Alcol per fare una bella festa“ zu denken.

19. Mai





Als wir beim Frühstück auf der großen Terrasse am Meer sitzen, hab ich die anstrengende Zugfahrt schon fast vergessen. Ich bin ich gut drauf, freu mich auf die Trips nach Tropea („atemberaubend schöne, uralte Stadt auf einem Felsen hoch über dem türkisblauen Meer“, schreibt der Reiseführer) und Spilonga, einem paarhundert Seelen Dorf, das extra für die Erasmus-Invasion ein Dorffest mit Musik von den „Calabria Esaurita“, traditionellen Spielen und kalabrischen Spezialitäten (sauscharfe Salami und Käse) veranstaltet hat. Die Jungs der Coverband sind schon etwas in die Jahre gekommen: Alle drei sind sie bereits weiß-grau, rocken aber von Knocking on Heavens Door über altitalienische Schnulzen als ob sie 20 wären. Als am Ende eine Tarantella gespielt wird, tapst ein italienischer Opi gebückt durch die tanzenden Studenten und fordert schließlich die Mädels zum traditionellen Tanz auf. Wir sind außer uns, bilden einen Kreis um ihn und feuern den tanzenden Greis lauthals an. Che bellissimo!

20. Mai





In Capo Vaticano sind wir in einem riesigen Feriendorf untergebracht. Immer zu 4. oder 5. bewohnen wir Bungalows, nur ein paar Schritte vom Meer entfernt. Nach dem gestrigen Kulturprogramm ist heute Urlaub angesagt. Direkt nach dem Aufstehen geht’s an den Strand, lesen, faulenzen, baden, Kultur-Unterschieds-Gespräche führen. Heute bin ich mir sicher: Jedem ist freigestellt, sein Semester hier zu gestalten wie er möchte. Wer Lust drauf hat, sich jeden Abend zu betrinken, soll er doch. Wenn es allein diese Gespräche spät am Morgen sind, dann wenn der Rausch einer gewissen Melancholie und Nachdenklichkeit gewichen ist, in denen immer wieder um unsere verschiedenen Kulturen geht, hat Erasmus etwas Entscheidendes geleistet: Man bekommt eine Ahnung davon, was Europa voneinander hält und denkt, wir erfahren in welche Schubladen wir Deutsche gesteckt werden und welche unserer Vorstellungen schlicht falsch sind. Ein tolles Gefühl, wenn man’s gemeinsam schafft, das ein oder andre Vorurteil aus der Welt zu schaffen: „Ich dachte immer ihr Deutschen seit alle so reserviert und bitterernst!“, wunderten sich die Portugiesen. Manches können wir tatsächlich schmunzelnd bestätigen, zum Beispiel, dass wir generell eine bessere Organisation, ein besseres Zeitmanagement gewohnt sind. (Dass der Treffpunkt auf vier Stunden vor Abfahrt des Zuges festgelegt werden muss, weil von mindestens drei Stunden Verspätung aller Spanier ausgegangen wird, ist für uns unglaublich!) Wir sind nicht so Großgruppen vernarrt und haben vielleicht nicht so viel „Feuer“ in uns wie die Südländer. Mir jedenfalls fehlt irgendwie die Energie jeden Morgen bis acht oder zehn Party zu machen, wenn ich gegen vier Uhr nach einer durchtanzten Nacht das Handtuch geworfen habe, wird das als typisch deutsch abgestempelt. Von einem Vorurteil musste aber auch ich mich dieses Wochenende verabschieden: Portugiesen und Spanier können nämlich sehr wohl fiese Sonnenbrände kriegen!

Freitag, 4. Mai 2007

Erster Mai und Co

Im größten Aluminiumkochtopf unserer Küche schwimmt ein ausgewachsener Tintenfisch, im Waschbecken eine Großfamilie Miesmuscheln: Giovanna kocht! Bis die Küche wieder allgemein zugänglich ist, sprich wir gemeinsam abendessen werden, versuch ich mal einen Abrisst der letzten Wochen…

Concerti del primo maggio
Seit 17 Jahren organisiert die Linke Italiens zusammen mit den Gewerkschaften am Festa del Lavoro in Rom ein gigantisches Festival mit allen bekannten italienischen Bands, aber auch internationalen Künstlern wie Chuck Berry. War ein bisschen wie ein Abend am Erlanger Berg: zahllose Bierleichen, Arm in Arm Geschunkel zu Italoschnulzen, Anstoßen mit Jedermann…

Termi a Viterbo
Fast ein Uhr nachts ist es schon, als wir die Thermen endlich finden. Die Becken mit dem heißen Wasser sind nur an dem weißen Nebel des Dampfs zu erkennen, der dicht über den weiten Feldern liegt. Der Mond scheint, klarer Sternenhimmel, ein paar Wohnmobile und Zelte stehen hier oben auf dem Hügel, der auf Viterbo blickt.
Dass wir die Thermen überhaupt gefunden haben ist schon ein Wunder genug: Nach knapp eineinhalbstündiger Autofahrt haben wir noch mal gut eine Stunde nach diesen drei Becken im Niemandsland gesucht. Nur der Nebel hat uns den Weg gewiesen. Wir sind in zwei Autos gekommen: Joana, Siri und ich aus der Erasmus-Fraktion, begleitet von sechs römischen Jungs. In Bikinis und Badeshorts rennen wir zitternd vom Auto zu den Becken, die überraschenderweise nur hüfttief sind. Massimo schenkt aus einer Thermosflasche Zitronentee in die Plastikbecher, während wir im heißen Heilwasser plantschen. Joana hat Wein mitgebracht. Gegen vier Uhr morgens zurück in Rom – total erschöpft und schrumpelig, aber um eine esperienza gigantissima reicher!

Essen ist fertig! Scuasate! Das war noch nichtmal ein Bruchteil dessen, was hier los war. Fortsetzung folgt…

Samstag, 14. April 2007

Visite, visite, visite!

Was ich mit Hannes, Janin und Jenny über Ostern in Roma erlebt habe, könnt ihr im Web-Fotoalbum nachkucken!

Hannes, Jenny, Janin zu Besuch

Donnerstag, 12. April 2007

Beginnen wir mit einer Momentaufnahme

Bin mit Joana auf der Via di Donna Olimpia in Richtung Villa Pamphili unterwegs um dort Joggen zu gehen. Die Straßenseiten sind mit mehrstöckigen Häusern gesäumt, mit Schnellbars, kleinen Tante-Emma-Läden und chinesischen Klammotten-Ramsch-Geschäften im Erdgeschoss, darüber Privatwohnungen. „Maria!“, ruft plötzlich ein Signor mit schweren Einkauftüten in beiden Händen und blickt erwartungsvoll zu einem geöffneten Fenster im ersten Stock. „Ich komm ja schon!“, antwortet ein dünnes Stimmchen. Wenige Augenblicke später fährt ein verkehrt herum gehaltener Spazierstock aus dem Fenster. Die knochigen Finger der Signora Maria klammern sich um das spitze Ende des Stocks, bis er auf Kopfhöhe des Herren mit den Einkaufstaschen angekommen ist. Er hängt die Tüten um den gebogenen Griff, prüft, ob alles gut sitzt und gibt das Kommando zum Hochziehen. „Grazie bello!“, hören wir sie im vorbeigehen noch rufen.

Sonntag, 1. April 2007

Fotos!

Hab seit vergangenem Dienstag meine Eltern zu Besuch, ständig auf Achse also! In meinem 10 m2 WG-Zimmer ist´s zu dritt ziemlich, nennen wir es kuschelig; die beiden haben sich auf ihre alten Tage aber wirklich schnell ans WG-Leben gewöhnt: nach drei Tagen hat Mama aufgehört über nicht gespültes Geschirr zu meckern und Papa hat beim Kochen mit meinen Erasmus-Freunden schon Opfer zum Englisch reden gefunden. ;-) Viel los also und leider kaum Zeit zum Schreiben. Wird nachgeholt, wenn der Besucher-Ansturm hier vorbei ist, direkt nach den Eltern kommen ja Hannes, Janin und Jenny nach bella Roma.

Auf unseren Sightseeingtouren hab ich jedenfalls meine neue Kamera schön ausprobieren können, hier gibts schon mal Bilder...

... vom Protestantischen Friedhof
Protestantischer Friedhof


... vom Porta Portese, dem größten Trödelmarkt Roms
Porta Portese


... vom ehemaligen Ghetto
Ghetto


... und vom ganzen anderen Rest
Besuch Eltern Rest

Sonntag, 25. März 2007

Mit Verspätung - Kathis Besuch im Februar

Hab mir grad ein Web-Album eingerichtet! Ab sofort gibt´s also mehr Bilder. Einfach auf das Foto unten klicken und los geht´s...
02 2007 Kathis Besuch

Vorlesung Communicazioni di massa

Professoressa Marchetti bemüht sich vergeblich mit ihrem dünnen Stimmchen gegen den Lärmpegel in der Aula Valori anzureden. Die rund 50 Studenten sind äußerst beschäftigt - nur nicht mit der Materie der Vorlesung. Sie tauschen in voller Lautstärke Wochenenderlebnisse, telefonieren per Handy in die Außenwelt. Ein Pärchen in den hinteren Reihen knutscht genüsslich rum während die Gruppe Mädels vorne rechts für ein Erinnerungsfoto posiert. Es herrscht geschäftiges Kommen und Gehen: Am Automaten draußen wird Kaffee geschlürft, oder schnell ein Kippe geraucht. Irgendwer ruft plötzlich laut: „Es brennt!“ Und tatsächlich riecht es verkohlt. Die Professoressa schickt einen Studenten nach draußen um nachzusehen. Als ein anderer - nichts ahnend von den Feuer-Spekulationen - gerade wieder die Aula betritt und gefragt wird, was er herausfinden konnte, berichtet er verwirrt, aber durchaus detailreich, von seinem Toilettengang. Der richtige Feuerspäher konnte draußen jedenfalls keine Gefahr ausmachen, wahrscheinlich hatte jemand mit Papier rumgezündelt. „Wenn ihr kein Interesse habt, dann breche ich sofort ab“, warnt sie zum zigsten Mal, setzt ihren Vortrag aber doch wieder fort. Nur ein paar Minuten später unterbricht sie erneut um an ihr klingelndes Handy zu gehen.

Dienstag, 20. März 2007

Wortkunde und Wetterfrosch

Meine Blumen trinken, mein Himmel weint. Meine Enten heißen "Dacchi" und die Gans "Ganso": Giovanna hört mir ein paar Sätze aufmerksam zu, als ich vom Wochenende erzähle, dann kann sie sich das Lachen nicht mehr verkneifen. „Wer hat dir denn diese Vokabeln beigebracht!?“, prustet sie unter Tränen hervor.
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Brr… Es hagelt gegen meine Fensterscheiben! Am Wochenende hab ich mir noch einen Sonnenbrand geholt und seit gestern gibt’s Sauwetter. Und ich hab noch nicht mal nen Regenschirm! Trotzdem muss ich mich jetzt raus wagen und ab die Uni: Giornalismo Televisivo!

Sonntag, 18. März 2007

So gerecht kann Fussi sein



Raus aus Rom!

Um es mit Hannes´ Worten auszudrücken: Über mir spielen sie die Reise nach Jerusalem. Absichtlich und um acht Uhr morgens und jeder gestampfte Schritt lässt meine Matraze vibrieren. Dabei bin ich erst um vier heimgekommen gestern, von Yvonnes Einweihungsparty, einer Erlangerin, die ich letzte Woche zufällig in einer Kneipe getroffen habe. Nebenbei bemerkt: Rom ist ein Dorf. Hier trifft man fast genauso oft Bekannte und Freunde auf der Straße wie daheim in Erlangen. Und noch besser: Als ich auf dieser Feier gestern die Küche betrete, sitzt da auf einmal Tom, Leidensgenosse aus der Kollegstufe, mit dem ich den Geschichts-Sumpf von unserem Kurt J. durchwatet habe.


Wegen dem rotweinhaltigen Beguss dieses Wiedersehens im fernen Rom trifft das Gestampfe von heut Morgen meinen müden Körper umso schlimmer. Um kurz nach acht geht nichts mehr: Ich muss raus aus dem Bett, unmöglich so weiter zu schlafen. In der Küche angekommen, lacht mich der neue Putzplan an und verkündet fröhlich, dass ich heute mit Kücheschrubben dran bin. Mitbewohner Mauro und Partygefährte von gestern ist kurz nach mir wach und widmet sich murrend und mit gelben Gummihandschuhen bewaffnet (gegen das böse Putzmittel, du Mädchen!) dem Bad.

Nach der morgendlichen Ertüchtigung haben wir nicht mal Zeit in Ruhe zu frühstücken, wir sind mit Joana, Joao und Siri an der Stazione Trastevere verabredet um nach Tivoli zu fahren. Der Lonely Planet gibt dazu folgende Auskunft: „Während der Renaissance Sommerfrische der Reichen Römer“. Besonders sehenswert und damit unser Ausflugsziel dort: Die Villa Adriana, wobei die Villa keine Villa, sondern wieder ein Park ist, genau wie die Villa Pamphili und die Villa Borghese. Die Villa Adriana muss damals vor knapp 2000 Jahren ein echtes Luxusfleckchen gewesen sein, davon zeugen die Überreste prunkvoller Thermen, Theater, künstliche Seen und die Residenz von Kaiser Hadrian, der an der gesamten Anlage fleißig mitgeplant hat. Zwischen den Terrakotta farbenen Ruinen haben wir dann endlich auf einer Wiese unser Frühstück bekommen, sind dabei allerdings nicht ungestört geblieben: Verwöhnte, an Touristen gewöhnte und damit außerordentlich fette Enten haben laut schnatternd ihren Anteil an unserem Picknick gefordert und jeden fallengelassenen Krümel gierig aufgeschnäbelt.
Später gings dann noch zum Landsitz des Papstes nach Castel Gandolfo und dem darunter gelegenen Lago di Albano. Zu guter Letzt in die Kleinstadt Frascati, die nur so vor flanierendem Volk gewimmelt hat. Gegessen, wieder auf die Rückbank von Mauros K gequetscht, sofort eingeschlafen. Morgen muss ich schließlich fit sein: Nehmen spaßeshalber am FunRun des Rom-Marathons teil! Buona notte!

Donnerstag, 8. März 2007

La festa delle donne - Ein Fest fuer Frauen!

Ueberall in der Stadt tragen die Frauen kleine Straeusse leuchtend gelber Blumen mit sich rum, neben Pralinen, Esseneinladungen und stuermischen Umarmungen das uebliche Geschenk zum Tag der Frauen: Mimosen! Fast schon unverschaemt, oder!? Zur Verteidigung der Italiener muss gesagt werden, dass "Mimose" hier keine Doppelbedeutung aus der Kategorie Schimpfwort fuehrt.

Dienstag, 6. März 2007

Kreative Geldbeschaffungsmoeglichkeiten

Fremdenfuehrer, Sprachlehrer oder Bedienung im Café? Come noioso! In Rom
kann man noch ganz anders Geld verdienen!


Auf die Tram-Musikanten freu ich mich schon jeden Morgen. Meist zu zweit draengen sie mit Akkordeon und Klampfe bewaffnet in die ueberfuellten Strassenbahnen und drehen dann richtig auf! Die dicke blondgefaerbte Dame mit der tiefen Stimme mag ich besonders gern, die bringt immer so eine Dramatik in den mueden Vormittag. Aber mit Strassenmusik werde ich trotz der neun Jahre am musischen Geymnasium kein Geld verdienen koennen. Weniger Talent ist bei den Bierverkaeufern gefordert: Jeden Sonntag schieben sie auf rostigen Einkaufswagen grosse Plastiktonnen ueber den Porta-Portese, Roms groessten und kriminellsten Troedelmarkt. Bei jedem Schlagloch schwappt Wasser ueber den Tonnenrand auf die Verkaeufer-Fuesse und die Bier- und Colaflaschen darin klirren und klappern gefaehrlich in ihrem Wasserbad. Meinen Job-Favourit habe ich aber an der Fontana di Trevi entdeckt: Den Foto-Drucker-Mann: Mit einem ausgewachsenen Drucker um den dicken Bauch geschnallt und einer Digicam in der Rechten bietet er erinnerungshungrigen Touristen fuer 5 Euro seinen Dienst feil. bitte laecheln und Foto mitnehmen! Nur: Wo kommt bitte der Strom her!?

Donnerstag, 1. März 2007

Erste Redaktionssitzung bei den LUMSA-News

"Du musst gerade sitzen!" ruft Professore Chizzola und klatscht mir mit vollem Schwung auf den Ruecken. Geschockt von so viel urgrossvaeterlichem Feingefuehl (Italien hat Europaweit die aeltesten Profs, dieses Exemplar schaetze ich auf Mitte 70)positioniere ich mich augenblicklich kerzengerade auf dem gepolsterten Ledersessel, der eben noch so schoen zum rumflaetzen verleitet hat. Waehrend der Professore fortfaehrt die anderen Studenten das gestrige Tagesgeschehen abzufragen, rutsche ich langsam wieder in den kuscheligen Standby-Modus zurueck, bis ich auf Chizzolas Krawatten-Hoehe angekommen bin: Moosgruen mit roten Marienkaefern. Unter dem korrekten Jacket bluehen auf weissen Hosentraegern gestickte Alpenveilchen. "Anna! Gerade sitzen!", ruft er, waehrend er seine Magnetbrille am Nasensteig auseinander schiebt und unverspiegelt in die Runde lacht. Sympathisch, wirlich. Wird nur spannend ihm die naechsten Wochen beizubringen, dass ich nie aufrechte auf einem Stuhl sitze. Am Ende der ersten Redaktionssitzung habe ich jedenfalls schon mein ersten Auftrag. Thema: Medikaenten-Schwarzmarkt im Internet.

Donnerstag, 22. Februar 2007

Villa Pamphili - Ein Spaziergang



Neustart: Heute musste ich einfach den Resetknopf mal ordentlich durchdrücken. Obwohl ein herrlicher Tag durchs Fenster lachte, hab ich mich den ganzen Morgen einfach beschissen gefühlt. Alleine irgendwie. Obwohl ich hier quasi rund um die Uhr die Möglichkeit habe mich zum Kaffetrinken oder sonstigen Unternehmungen zu treffen und schon nach kürzester Zeit etliche Bekanntschaften gemacht hab. Aber was erwarte ich? Dass ich innerhalb zweier Wochen Freundschaften schliesse, wie sie daheim in Jahren gewachsen sind? Nach ein paar Tropfen Selbstmitleid also raffe ich mich auf, gebe diesem traumhaften Morgen eine zweite Chance.



Ich habe keine Uni heute, auf also zu einem neuerlichen Erkundungsgang! Auf dem Stadtplan kucke ich, welche Ecken Roms ich noch nicht kenne. Ich hab das Gefühl, weit draussen auf dem Land gestrandet zu sein: Vor mir liegen hügelige Wiesen mit allen erdenklichen Baumarten gespickt. Grüne Tannen, rankende Weiden und die typischen Schirm-Pinien, für die die Villa Doria Pamphili berühmt ist. Mit neun Kilometern Umfang ist der Park Roms größte Grünfläche, eine Insel inmitten der dreckigen Großstadt. Der herrliche Morgen hat einige Jogger und einen ganzen Sack voller Spaziergänger angezogen. Allesamt kommen sie aber kaum zur körperlichen Ertüchtigung, da alle paar Meter ein anderer „Ciao! Was machst du denn Schönes hier?“ ruft und sie für die euphorische Begrüßung zum Stehen bleiben zwingt. Gleich hinter dem südlichen Eingang am Teatro Michelangelo hockt ein Duzend alter Männer auf vergilbten Plastikstühlen auf dem Rasen. Zwischen ihnen Tische mit Schachbrettern. Andere ältere Herrschaften tragen stolz ihre Enkel umher, die von jedem Entgegenkommenden gebührend bewundert werden müssen. Vom Regen der letzten Tage sind die geschlängelten Pfade auf den Wiesen noch matschig, dafür riecht das Gras wie frisch gemäht.



Scharfe Kanten wirft mein Schatten vor mir auf den Weg, die Sonne brennt auf die schwarze Jacke wie lange nicht mehr. Auf dem kleinen Largo del Giglio treiben Enten und Möwen faul in der Sonne, ein paar Schwäne putzen ihr Gefieder und der Kurzhaardackel einer alten Signora mit Krückstock scheucht mit lauten Gekläffe die Tauben vom Ufer, die eine andere Alte gerade mit Brotkrumen angelockt hat. Ich lege mich auf eine der aufgeheizten Holzbänke und schlafe ein.

Dienstag, 20. Februar 2007

Faschingsfieber!



Also doch kein Hippie, sondern lieber Pirat! Damit waere das Faschingsoll auch fuer dieses Jahr wieder erfuellt...

Elend und Strassenkunst

Ich weiss nicht ob ich lachen oder weinen soll, als ich sie zum ersten Mal sehe. Sie wiegt ihren alten Koerper zu 90er-Schnulzen, die scheppernd aus der Rollkoffer-Gettoblaster-Konstruktion neben ihr kommen. Mit zittrigen Haenden dirigiert sie auf Bauchhoehe Roxette und Ace of Base, hinkt dem Rhythmus dabei abe ordentlich hinterher. Es hat gerade gereget, ihre Schuhe sind durchnaesst und sie zittert in den zerrissenen Kleidern, trotzdem laechelt sie verschmitzt. Neben ihr auf dem nassen Kopfsteinpflaster hockt ein weisshaariger Alter, etwas juenger vielleicht als sie. Er hat einen selbstgebastelten Vogelschnabel um den Kopf gebunden und an jedem Finger und jeder Zehe Schnuere geknotet, die mit Instrumenten oder andren Krachmachern verbunden sind. Er hat das Showbusiness kapiert: Die Leute sind begeistert, draengen sich eng um in und die Blechschale vor ihm ist bald voller Muenzen. Die dirigierende Alte neben dem Vogelmann hat sich also einen ziemlich miserablen Standpunkt ausgesucht. Sie wird weder mit Applaus noch mit KLeingeld belohnt, nur ausgelacht wird sie von allen.

Samstag, 17. Februar 2007

Einen Latte Macchiato und einmal Internet bitte!


Von dem Tisch, an dem ich meinen eigenen Laptop aufgeklappt habe, blicke ich durch eine 2x3 Meter Fensterscheibe auf die Piazza Trilussa in Trastevere und kann bei einem Latte Macchiato dank W-Lan grenzenlos im Internet rumsurfen! Yeah! Das heisst ab sofort wird losgebloggt wie auf ner wilden Vespa! Ab dem ersten März hab ich ja sogar Internet daheim, aber bis dahin ist dieses Café ne unschlagbare Alternative zu den ungemütlichen Internetcafés oder den uralten Rechnern in der Uni.
Nach furchtbar ärgerlichen Tagen mit der Vermieterin haben sich die Wogen geglättet. Sie hat mir heute sogar eine Rolle Klopapier spendiert! Oho! War den ganzen Morgen auf der Piazza Giovanni di Dio, fünf Minuten von meiner Haustür entfernt, unterwegs und habe italienisches Marktflair aufgesogen. Nur die Ecke, in der frischer Fisch verkauft wird, ist geruchstechnisch noch etwas gewöhnungsbedürftig. Warum funktioniert das eigentlich bei uns in Deutschland nicht? Obst und Gemüse und frischer Käse ist hier im Supermarkt viel teurer, am Markt dagegen kostet das Zeug fast nichts! Und wir rennen daheim nur zum Aldi, weil sich keiner die Kilopreise vom Markt leisten kann. /// Jetzt sollte ich langsam mal kreativ werden, bin heute Abend bei meiner zukünftigen WG auf Faschingsparty eingeladen und hab noch keinen blassen Schimmer was ich machen könnte. Zur Not stöbere ich mal den wuchtigen Wandschrank in meinem Zimmer durch! Da hängt ja noch der gesammelte Hausrat von den beiden geflüchteten Ehemännern der Vermieterin. Mit der Garderobe könnte ich immerhin als erstklassiger Hippie gehen!

Mittwoch, 14. Februar 2007

Gewissensbisse – Rimorsi


Che Pizza! Bin genervt. Warum ist es so schwer einfach die Wahrheit zu sagen: Ich will hier nicht wohnen. Immer nur deutsch sprechen, dafür bin ich nicht nach Rom gekommen. Außerdem schlafe ich nachts kaum, weil sich in sämtliche Körperöffnungen, Poren und Nasenschleimhäute diese fiesen Katzenhaare bohren. Meine Augen schreien „raus hier!“ und sind aus Protest den ganzen Tag rostrot geschwollen. Die Zusage für die neue WG habe ich schon seit drei Tagen. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr meine Vermieterin Ruth, die bis mindestens Ende April mit den Mieteinnahmen rechnet. Ich hab einfach so ein scheiß schlechtes Gewissen. Che merda! Das kann ja wohl nicht so schwer sein, reinen Tisch zu machen!? Doch, kann es: Und zwar wenn sie mit dir in derselben Wohnung lebt. „Du Ruth, Ich musste heute Nacht schon ins Krankenhaus eingeliefert werden, weißt schon, Allergieschock und so…“ Ausrede Nummer eins wird sofort verworfen, ziemlich unrealistisch, dass sie den Abtransport nicht mitbekommen hätte. Wie wär’s mit einem tränenüberströmten: „Bei mir daheim geht`s drunter und drüber! Ich kann das auf die Schnelle nicht erklären.“ Luft holen, laut auf jaulen und dann käme das krönende: „Ich muss mein Erasmussemester sofort abbrechen.“ Schwachsinn.
Dann erinnere ich mich, dass von der Katze in unseren Vorgesprächen nie die Rede gewesen ist. Ich atme tief durch, bevor ich in die Küche komme, wo sie gerade ihr Abendessen macht und sage, dass wir mal reden müssen. „Haette ich gewusst, dass hier eine Katze in der Wohnung lebt, hätte ich das Zimmer gar nicht genommen“, erkläre ich ihr, während ich alibihalber meinen Salatkopf traktiere. Noch bevor sie etwas antworten kann füge ich noch schnell hinzu, dass ich eine WG in Aussicht habe. Dass ich die Zusage längst habe, verschweige ich diplomatischerweise erstmal lieber. Ihre Reaktion ist erstaunlich gelassen. Sie erzählt mir von einem anderen Mieter mit Allergie, der es vier Monate ausgehalten hat und fragt sogar noch, wo die andere WG denn sei. Dio, sono cosi sollevata!

Beh, che cosa fai, Anna?


„Alle Wege führen nach Argentina“, denke ich und steige mutig in den nächstbesten Bus um von der Uni wieder zurück zur der Endhaltestelle zu kommen, von der ich mit der Tram nach Trastevere fahren kann. Bus 46 fährt nicht zur Argentina, das habe ich immerhin herausgefunden. Nach zehn Minuten fleißigem aus dem Fenster kucken, mit der Hoffnung irgendein bekanntes Straßenbild zu erkennen, springe ich aus dem Bus, bevor ich ganz verloren gehe. Während ich mich noch hinter dem quadratmetergroßen Stadtplan verstecke, hält am Straßenrand ein älterer Herr mit seinem Roller an und fragt ob er mir helfen kann. „Ich hab keine Ahnung wo ich gerade bin, will aber nach Trastevere“, antworte ich so gut es geht auf Italienisch. „Hast du Angst?“, fragt er nur und deutet auf den Sozius. Bevor ich noch nachdenken kann, was die klügste Antwort wäre, kommt ein fast schon entrüstetes „Angst? Nein, ich fahr doch selber Vespa!“ aus mir raus geschossen. Und schon werde ich quer durch Rom chauffiert (Sorry Mama!)

Beim Warten im Ufficio Entrate Roma 1, wo ich mir eine Steuernummer ausstellen lassen muss, mache ich schon die nächste Bekanntschaft: Ilaria, ein römische Studentin, die fasziniert von der deutschen Sprache ist: „Deutsch klingt so melodiös, so ähnlich wie Französisch!“, schwärmt sie. Bisher habe ich immer nur gehört Deutsch klinge abgehackt und unfreundlich. Na gut. Im Volk der Wartenden ist alles verteten: Die Afrikanerin im Leoparden-Kunstpelz leiht sich den Kugelschreiber von der Studentin im rosa Rollkragenpulli. Zwei Nonnen weiter vorne haben ihren Aufruf verpasst und diskutieren nun mit einem Beamten rum. Der rumänische Geschäftsmann links neben mir hilft mir das schlecht kopierte Formular auszufüllen. Vor mir warten noch 83 Leute, eine davon ist Ilaria. Nach überstandenem Amtsgang gehen wir unseren ersten gemeinsam Kaffee trinken.